Bled als Perle des nachhaltigen Tourismus

linijski-prevoz-saso-valjavec© Sašo Valjavec

Den Bleder See darf man nur mit motorlosen Booten befahren, damit der Verkehr auf dem Wasser ruhig ist.

Bevor sie das Zeitliche segnen, machen viele Menschen eine Aufstellung der Dinge, die sie gerne noch erleben würden. Sie planen zum Beispiel eine Tour zum Himalaya, eine Partie Golf auf den Sanddünen der Sahara, einen Kampf mit einem Alligator in Louisiana oder das Rudern mit einem Boot auf dem Bleder See. Zugleich macht ihnen der ökologische Fußabdruck zu schaffen, den Sie damit erzeugen, wenn Sie von zu Hause zum Himalaya, in die Sahara, nach Lousiana oder Slowenien fliegen. Sie sind ein ehrlich besorgter globaler Bürger, der Dinge wiederverwertet und mit einem Hybridauto fährt und das Licht hinter sich löscht. Wie würden Sie eigentlich eine „Kohlendioxiddiät“ angehen und auf die Dinge, die Sie sich wünschen, verzichten, wenn diese der Umwelt nicht guttun? Sie können überraschend viel tun, ohne dass ihr Lebensstil und ihre Wünsche darunter leiden müssten. Die Entscheidung Bled zu besuchen (obwohl Sie sich zwischen Golfferien und dem Kampf mit dem Alligator entscheiden mussten), ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Wahrscheinlich wissen Sie schon, dass Bled einer der schönsten Orte auf unserem Planeten ist und zugleich auch ein Ort, den Sie reinen Gewissens besuchen können. Bled ist nämlich eine ökologischsten touristischen Destinationen Europas, , ein Vorbild für nachhaltigen Tourismus. Damit Ihre Reise nachhaltig wird, müssten zwei Faktoren berücksichtigt werden: nämlich ob die Destination, in die Sie reisen, sich nach bestem Gewissen darum bemüht ökologisch zu sein (und es damit wert ist von bewussten Reisenden besucht zu werden) und was Sie während Ihrer Reise und Ihrem Besuch vor Ort tun können, um ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Bled kann seinen Teil der Aufgabe sehr erfolgreich erfüllen. Wie mir Romana Purkart, die »ökologische Tourismuskoordinatorin« in Bled begeistert und zu Recht voller Stolz versichert, errang Bled im Jahr 2019 den zweiten Platz unter den nachhaltigsten Tourismusorten Europas im Rahmen des Projekts Green Destinations das von einer niederländischen Stiftung durchgeführt wird. Den Platz unter den 100 nachhaltigsten Orten hat sich Bled schon gesichert, die letzte Kirsche auf der Torte ist nun aber der zweite Platz als bester Tourismusort in der Kategorie der langfristigen, umweltfreundlichen nachhaltigen Entwicklung. Bled ist Mitglied der Alpine Pearls group, einer Gruppe von Tourismusdestinationen in den Alpen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ihren ökologischen Fußabdruck soweit es geht zu minimieren. Heute ist das sehr aktuell, doch Bled ist schon seit dem Jahr 2011 Mitglied dieser Gruppe für nachhaltige Entwicklung. .

e charger Bled  Maja Pancur© Maja Pančur

In Bled gibt es insgesamt 38 Ladestationen für Elektroautos, d. h. eine pro 258 Einwohner, wodurch Bled im weltweiten Vergleich bei der Anzahl der Ladesäulen ganz oben mitspielt.

Was heißt das in der Praxis? Einer der wunderbarsten Orte der Welt zu sein, den natürlich Millionen von Menschen besuchen möchten, ist eine Sache. Beim nachhaltigen Tourismus geht es aber um die Entwicklung und Erhaltung der lokalen Wirtschaft wie auch der Umwelt, so dass diese langfristig, sauber und zur Freude aller erhalten bleibt. Alles beginnt mit der Erkenntnis, dass dieses Programm notwendig ist. Schon die Tatsache, dass der Tourismus Bled eine grüne Koordinatorin«, beschäftigt, spricht für sich. Hier ist man sich dessen bewusst, dass alle Beteiligten zufrieden sein müssen, sowohl die Touristen wie die Einheimischen. Romana erläutert, dass man bei jeder neuen Initiative zunächst überlegt, ob diese gut für die Einheimischen ist und erst danach, ob sie die Erfahrungen der Touristen verbessern könnte. Zufriedene Tourismusdestinationen sind Destinationen, in denen die Einheimischen die Touristen gerne aufnehmen. Wenn sie sich überlastet fühlen oder wenn die Forderungen der Besucher ihre Anliegen mit Füßen treten, wird es keinen Erfolg geben. Bled geht dieses Problem bewusst an. Wenn die Organisation Green Destinations Orte prüft, sind Umweltfragen nur ein Mosaikstein unter anderen. Genauso sorgfältig beobachtet werden auch die Rechte der lokalen Bevölkerung und die Beschäftigung von Einheimischen, (die Vorrang hat vor der Anstellung von externen Arbeitnehmern), eine gerechte Bezahlung für Produkte und Nahrungsmittel und vieles mehr.

Bled hat 38 Ladestationen für E-Autos, also eine auf 268 Einwohner, was auf die Einwohnerzahl gerechnet beinahe Weltspitze ist (zum Vergleich: San Francisco als eine der fortschrittlichsten Städte im Bereich der E-Mobilität, hat 605 Ladestationen für ca. 864.000 Einwohner, oder eine Ladestation auf 1.428 Einwohner). Auch das Bike sharing ist eine gute Alternative. Die Möglichkeit, dass Sie überallhin zu Fuß gelangen können, ist aber die grünste Art der Mobilität. Mit der Karte Julische Alpen, Bled wird die umweltfreundliche Mobilität gefördert. Alle Gäste, die zwischen 15. Juni und 15. September zumindest drei Nächte bei Anbietern in Bled buchen, die Partner des Tourismus Bled sind, erhalten eine kostenlose Fahrkarte für die unbeschränkte Benützung von lokalen touristischen Autobussen (einschließlich derer, die geführte Touren anbieten), haben Anspruch auf einen kostenlosen Verleih von Rädern und können die Seilbahnen zu den Aussichtspunkten um den See herum kostenlos benützen. Bled bietet ihnen sogar eine Wasserflasche, die Sie bei den zahlreichen Trinkwasserbrunnen in der Gemeinde auffüllen können, ohne Plastik zu verwenden.

Bled_kolesa_Jost_Gantar (15)© Jošt Gantar

Die Gemeinde Bled hat 2017 zur Förderung der nachhaltigen Mobilität auch ein System für den automatisierten Fahrradverleih eingerichtet.

Als ob das nicht genug wäre, hat die Gemeinde eine Viertel Million Euro für die weitere Verbesserung der Bewertung von Bled als grüne Destination aufgewendet, was zeigt, dass man entschlossen ist, sich in Zukunft noch besser auf dieser Liste zu positionieren.

All das weist darauf hin, dass eine ideale Tourismusdestination für bewusste Reisende ist, für Menschen, die die schönsten Orte der Welt auf nachhaltige Art und Weise sehen möchten.

Bled drinking fountain Maja Pancur© Maja Pančur

Das Wasser in Bled kann man überall trinken. An fast jeder Ecke in Bled sind Trinkbrunnen aufgestellt.

Wenn Sie Bled besuchen, können Sie die Bemühungen der Stadt unterstützen und dabei behilflich sein, den ökologischen Fußabdruck. Noch zu verbessern, indem Sie die verfügbaren Transportmittel benützen, die keinen Brennstoff benötigen: Räder, E-Bikes, Kutschen, die traditionellen Ausflugsboote und Ruderboote für Fahrten über den See. Sie können bei jeder Gelegenheit zu Fuß gehen (oder auf dem Trimm-dich Pfad, um die Kalorien der Bleder Cremeschnitten zu verbrennen, die Sie sicher kosten werden). Sie können in Hotels oder Ferienanlagen übernachten, die sich bemühen ohne Abfälle zu wirtschaften , wie zum Garden Beispiel Garden Village Glamping Resort, Camping Bled sowie die Hotels Savica, Astoria und Vila Mila, die das EU Ecolabel tragen. Vielleicht entscheiden Sie sich für das Hotel Ribno, das erste und einzige Zero-Waste Hotel in Slowenien.

Wenn Sie nach Bled kommen, sollten Sie so lange wie möglich bleiben. Mit der Einschränkung von langen Flugreisen tragen wir am besten zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks bei. Trotzdem können wir uns die Welt ansehen – und in Bled gibt es wirklich viele Dinge, die es wert sind, erforscht zu werden.


Über den Autor

Znamka_Bled_Noah_Charney103© Boris Pretnar

Dr. Noah Charney ist ein amerikanischer Schriftsteller mit zahlreichen Bucherfolgen und Professor für Kunstgeschichte, der seit vielen Jahren in Slowenien lebt. Er ist in der amerikanischen Stadt New Haven aufgewachsen und hat sein Aufbaustudium am The Courtauld Institute und an den Universitäten in Cambridge und Ljubljana absolviert. Bisher hat er 13 Bücher geschrieben, darunter auch mehrere internationale Bucherfolge, wie z. B. „Slovenologija“ (das unter dem Titel (Slovenology - Living and Traveling in the World's Best Country ins Englische übersetzt wurde) mit Essays über seine Erlebnisse während seines Lebens in Slowenien, das seiner Meinung nach das „beste Land der Welt“ ist. In den ersten sechs Monaten wurden davon bereits mehr als 3.000 Exemplare verkauft. Sein Werk „Večni arhitekt (Der ewige Architekt), das im Englischen den Titel Eternal architect: The life and art of Jože Plečnik trägt: über das Leben und die Arbeit von Jože Plečnik, dem modernistischen Mystiker“ hat bei der Ausschreibung für den slowenischen Literaturpreis den 2. Platz erhalten und wurde auf dem Architekturbienale in Novi Sad mit dem Preis für das beste Buch ausgezeichnet. Charney ist zwar Experte für Kunstgeschichte und Kunstkriminalität, hat sich aber inzwischen auch zum Slowenien-Experten entwickelt, da er regelmäßig Artikel in bedeutenden Zeitungen wie z. B. The Guardian und Washington Post über Slowenien veröffentlicht. Wenn Sie mehr über seine Werke erfahren wollen, dann besuchen Sie seine Internetseite noahcharney.com oder folgen ihm in den sozialen Medien, wo er über seine Erlebnisse im „besten Land der Welt“ berichtet.